6. September 2017 By Kommentare deaktiviert für Fachinformationen und Aktuelles

Fachinformationen und Aktuelles

 

Aktuelles aus der Praxis:

Eine Restauration im Ganzen

Komplexe Gesamtsanierung

 

 

Es gehört zu den angenehmeren Aufträgen, wenn ein Patient mit Zahnschmerzen kommt und bei seiner Erstvorstellung sagt: „Behandeln Sie mich bitte so, wie Sie selber in meiner Situation behandelt werden möchten.“ Ein angenehmer Auftrag, der aber sicherlich eine große Verantwortung und zweifelsohne auch ein gewisses Risiko in sich birgt, da man selber in der gleichen Situation möglicherweise risikofreudiger ist als der Patient.

Aus diesem Grund besteht in solchen dankbaren Fällen leider auch immer die Gefahr eines „Overtreatment“. Natürlich hat der Zahnarzt nicht nur in diesen Situationen die ethische Verantwortung nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln. Die Realität legt hier allerdings leider immer wieder vor allem finanzielle Hürden in den Weg.

Indizes: Füllungstherapie, Extraktion, Endodontologie, ParodontologieKieferorthopädie, Implantologie, Bleaching, Funktionstherapie, Prothetik, Ästhetische ZahnmedizinVollkeramik

Ein Beitrag von Per Fossdal, Kempten

Die Patientin, welche sich mit Zahnschmerzen vorstellte und diese erlösenden und gleichzeitig  herausfordernden Worte aussprach, hatte für sich lediglich drei definierte Vorstellungen von dem Behandlungsergebnis: Möglichst viele Zähne sollten erhalten werden, der Zahnersatz sollte auf jeden Fall festsitzend sein und gleichzeitig eine optimale Ästhetik bieten.

Erstbefund

Die Behandlung begann im März 2004. Der Zahnstatus der Patientin zeigte vor allem im Seitenzahnbereich eine weit fortgeschrittenen Parodontitis mit mehreren nicht erhaltungswürdigen Molaren und Prämolaren.

(Abb. 1 bis 8).

Auch die oberen, mittleren Incisivi waren nicht mehr zu erhalten.

Weitere Befunde: Unterkiefer links: Kronen mit zu langen Rändern Unterkiefer rechts: Insuffiziente Füllungen ohne Kauflächenrelief, unvollständige Wurzelfüllung an 46. Angle Kl. III mit zirka 1/4 PB, keine funktionellen Probleme.

Eine derart umfangreiche, praktisch alle Gebiete der Zahnheilkunde umfassende Rehabilitation und Rekonstruktion kann nur gelingen, wenn eine akribische Planung mit genauer Reihenfolge erstellt wird.

Behandlungsplan:

1. Extraktion der nicht erhaltungswürdigen Zähne im OK-Seitenzahngebiet, Socket-preservation mit einer PTFE-Membran für 4 Wochen

2. Z-Plastik am Lippenbändchen Oberkiefer (OK)

3. PA-Behandlung mit dem Ziel alle Zähne im Unterkiefer (UK) mit Full-mouth-desinfection
(FMD) zu erhalten

4. Revision der Wurzelfüllung an 46

5. Wurzelfüllung der nicht erhaltungswürdigen Zähne 11 und 21 als Vorbereitung für eine knochengewinnende Extrusion

6. Insertion eines kieferorthopädisches Miniimplantats als Extrusionverankerung

7. Eingliederung eines KFO-Gerätes um 11 und 2 knochengewinnend zu extrudieren

8. Implantation OK Seitenzahnbereich

9. Bleaching UK-Front

10. Rekonstruktion des UK-Seitenzahnbereichs mit adhäsiv befestigten Teilkronen aus gepresster Keramik mit idealisierten Kauflächen. Präparation der restlichen OK-Zähne und Anfertigung eines Langzeitprovisoriums zur Stabilisierung der Zentrik.

11. Implantation von 11 und 21

12.Rekonstruktion des OK mit vollkeramischen Kronen unter besonderer Berücksichtigung von Funktion und Ästhetik.

Abb. 1

OPG vor Behandlungsbeginn

Abb. 2

Fortgeschrittene PA der nicht erhaltungswürdigen Molaren und Prämolaren

Abb. 9  Oberkiefer nach Entfernung der Membran -Vorbehandlung

Die Socket-preservation mit hochverdichteten PTFE-Folien (Cytoplast Non-Resorb, Oraltronics) ist eine sehr wirkungsvolle aber dennoch einfache Maßnahme gegen die Knochenresorbtion nach der Extraktion [1 bis 3]. Im Gegensatz zu den meisten Membranen können diese Folien von Anfang an freiliegen. Ein primärer Wundverschluß ist also nicht erforderlich. Beim Legen dieser Membran muss nur darauf geachtet werden, dass diese an allen Seiten von mindestens 2 mm Schleimhaut überdeckt ist und beim Nähen nicht perforiert wird. Die Folie stabilisiert das Koagulum und scheint die sonst unvermeidbare Osteoklasten-Aktivität am crestalen Knochen zu verhindern.

 

Abb. 3 bis 8 Die Situation vor Behandlungsbeginn: vor allem im Seitenzahnbereich eine weit fortgeschrittenen PA mit mehreren nicht erhaltungswürdigen Molaren und Prämolaren. Auch die oberen, mittleren Incisivis waren nicht mehr zu erhalten.

3 4

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7 8

 

Nach vier Wochen Cytoplastabdeckung wurden die gelegten Folien entfernt. Es ist keine Knochenresorbtion in transversaler Richtung erkennbar. Die gut sichtbaren, nicht ausgereiften Schleimhautbereiche heilen nun zu stabiler, keratinisierter Gingiva aus. Unter dieser machte sich lediglich ein minimaler Knochenverlust bemerkbar (Abb. 9).

Um das Miniimplantat für die Extrusion der Zähne 11 und 21 problemlos zu platzieren, wurde das Lippenbändchen mit einer einfachen Z-Plastik verlegt.

Für die Dauer der KFO-Behandlung ist es als Infektionsprophylaxe und für den Komfort der Patienten wichtig, dass das Weichgewebe möglichst wenig vom Implantat und Gerät gereizt wird.

Eine Full Mouth Desinfection (FMD) nach Quirinen und Saxer wurde zur parodontologischen Behandlungmit sehr gutem Erfolg an der Restbezahnung des OKs und im gesamten UK durchgeführt. Vereinfachtbeschrieben besteht die FMD aus einer mehrfach wiederholten, extrem sorgfältigen Wurzelglättung und Zungenreinigung. Dieses Vorgehen wird mit einer mehrmals täglich angewandten Munddesinfektionslösung (Chlorhexidin) unterstützt.Dadurch wird eine Desinfektion der gesamten Mundhöhle inklusive der stark keimbesiedelten Tonsillen möglich.

Sollten danach noch Spuren einer Entzündung vorhanden sein, werden wiederholt alle Parodontien einer sorgfältigen Reinigununterzogen und die Taschen dreimal 5 Minuten mit einprozentigem CHX-Gel oder NaOCl (Natriumhypochlorit) desinfiziert. Dieser abschließende Teil der Behandlung sollte innerhalb von 24 Stunden durchgeführt werden, um eine Reinfektion zu verhindern.

In diesem speziellen Fall wurde die Behandlung zusätzlich antibiotisch mit dem so genannten Winkelhoff-Cocktail (Metronidazol und Amoxicillin) unterstützt. Nach einer ausführlichen Diagnostik mit der Floridaprobe verlief die FMD parallel zur knöchernen Ausheilung der Extraktionsalveolen im Oberkiefer und den nötigen Wurzelbehandlungen.

Nach sieben Monaten konnte die Therapie vorläufig abgeschlossen werden. Nach einer Revision der Wurzelfüllung war es möglich den äußerst kritisch zu bewertenden Zahn 46 zu erhalten (Abb. 10).

 

Abb. 10

Endodontische

Behandlung 46

Gleich im Anschluß daran wurden die beiden mittleren Schneidezähne devitalisiert und wurzelgefüllt. So konnten diese im Laufe der geplanten Extrusion fortlaufend gekürzt werden (Abb. 11 und 12). Die Zahnkronen wurden bei diesem Vorgang außerdem gleichzeitig mit der Extrusion sukzessive im gingivalen Drittel mit Komposit verbreitert und verlängert, um einen stetigen Belastungsreiz auf die Gingiva auszuüben. So blieb der Kontakt mit der marginalen Gingiva an 11 und 21 trotz der Extrusion immer erhalten (Abb. 13).

Das kieferorthopädische Miniimplantat sollte möglichst weit marginal gesetzt werden, um Reizungen und Entzündungen der Mucosa zu vermeiden. Aus diesem Grund wurde im Vorfeld das Lippenbändchenverlegt. Die Gefahr eines Implantatverlusts auf Grund einer zu geringen Knochendicke ist dabei relativ gering, da die Kraft auf das Implanta nach kranial gerichtet ist.

Abbildung 14 zeigt die Knochengrenze vor Extrusionsbeginn und in Abbildung 15 ist das Tförmige KFO-Gerät zu sehen. Die Extrusion begann im Oktober 2004 und dauerte zirka sieben Monate. Behandelnder Kieferorthopäde war Dr. Eberhard Kinzer, Kempten.

 

Abb. 15 Extrusionbeginn mit T-förmigem KFO-Gerät

Abb. 11 Endodontische Behandlung, Messaufnahme 11 und 21

Abb. 12 Miniimplantat und KFO-Gerät

Abb. 13 Die Kronen wurden im gingivalen Drittel mit Komposit verbreitert

Abb. 14 Knochengrenze vor Extrusion

Behandlungsverlauf

Die Astra Tech Implantate im Oberkiefer-Seitenzahnbereich wurden während der Distraktion undacht Monate nach der Extraktion inseriert. Dafür war eine simultane und direkte Sinusaugmentation nötig. Die relativ lange Wartezeit vor der Implantation wurde bewusst in Kauf genommen, um vorher die notwendige Parodontalbehandlung abschließen zu können. Nur so wurde eine absolute Infektionskontrolle in der Mundhöhle vor dem chirurgischeEingriff möglich. Außerdem war nach den Extraktionen die vollständig abgeschlossene Knochenbildungvon großer Bedeutung für die Primärstabilität und den simultanen Sinuslift. Die Implantation erfolgte mit Astra Tech Osseospeed-Implantaten. Diese hatten 5 mm Durchmesser und 13 mm Länge. DieWahl fiel gerade auf Astra Tech Implantate, weil diese wegen eines sehr geringen crestalen Knochenverlusts gerade für den ästhetischen Bereich besonders geeignet sind (Abb. 16 bis 18).

In drei erst kürzlich abgeschlossenen Studien wurden 1450 Astra Tech Implantate bei 427 Patienten inseriert.

Die Implantate wurden nach sieben Wochen endgültig versorgt. Die Erfolgsrate nach einem Jahr lag bei 99,4 Prozent.

Die Komplikationsrate war also minial. Das deckt sich exakt mit den Erfahrungen des Autors. Nach fünf JahrenAstra Tech Anwendung ging gerade ein einziges Implantat verloren. Dies allerdings nach einer akuten Infektion an einem bereits osseointegrierte Implantat.

Astra Tech Implantate haben eine mikrorauhe, flouridmodifiziert Titanoberfläche (Osseospeed). Die klinischen Vorteile resultieren nach Angabe de Unternehmens aus der Stimulation einer periimplantären Knochenneubildung und führen so zu einer stärkeren Knochen-Implantat-Verbindung.

Dies konnte auch in zahlreichen Studien nachgewiesen werden. In Verbindung mit dem Mikrogewinde am Implantathals, das stimulierende Belastungsimpulse an das angrenzende Knochengewebe abgibt und Belastungs-spitzen im Bereich der Kortikalis reduzieren soll, ergeben sich synergistische Effekte im Bezug auf die Einheilung der Implantate.

Nach der ersten Einheilphase wurde das OK-Provisorium in Form einer Klammerprothese wieder eingegliedert. Die UK-Molaren und Prämolaren wurden für keramische Teilkronen, die restlichen Zähne im OK für ein Langzeit-provisorium präpariert.

Die Parodontitis hatte zu einem interdentalen Knochen- und Papillenverlust im posterioren UKBereich geführt. Nach der FMD zeigten sich diese pathologischen Veränderungen mit einer sichtlichen Abschwellung und Straffung der Gingiva.

 

Abb. 18

OPG nach Implantation im Oberkiefer

Abb. 16 und 17 Vor Insertion der Astra Tech Implantate im Seitenzahnbereich des OK war ein simultaner Sinuslift notwendig

Durch den Abheilungsprozeß entstanden automatisch sehr große, offene Zahnzwischenräume. Umdiese auszugleichen und die Interdentalräume hygienisch gut zu gestalten, wurden die Teilkronen approximal-zervikal stark konvex kontouriert (Abb.19 und 20). Die Teilkronen im UK (Abb. 21) wurden aus Presskeramik der Firma Authentik hergestellt und adhäsiv unter Kofferdam eingegliedert. Eine Überkontourierung ist durch die extrem gute Biokompatibilitätder Keramik gut zu verantworten. Es ist mehrfach nachgewiesen, dass die Plaqueanlagerung an gepresster oder gesinteter Keramik um ein vielfaches niedriger ist als am natürlichen Zahn. Die biologisch inerten Eigenschaften von keramischen Werkstoffen sind bereits lange bekannt. Dies kann im Mund sehr gut nachgewiesen werden, wenn alte VMK Kronen, welche die biologische Breite verletzen, durch vollkeramische Arbeiten ersetzt werden. Auch ohne eine chirurgische Kronenverlängerung durchzuführen, werden dabei keine weiteren entzündlichen, gingivalen Irritationen hervorgerufen.

Im Laufe der UK-Rekonstruktion wurden an den präparierten OK-Zähnen hauchdünne Provisorien aus Super-T (Alternativ Snap, American Dental Sup-546 teamwork J Cont Dent Educplies ADS) eingegliedert. Super-T ist ein Polyacryl, das für die Ergänzung und Ausbesserung von Provisorien aus der Vor-Flow-Composite-Ära vorgesehenwar. Es ist relativ transparent und eignet sich deswegen hervorragend für Veneer-Provisorien. DerWerkstoff kann nach exaktem Vorabdruck mit dafür geeignetem Material (RSVP von ADS oder Klipp, Cumdente) in vielen Fällen gleich auf dem Zahnbelassen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Präparation ganz oder überwiegend im Schmelz-bereich verläuft. Das Material ist zwar sehr belastbar,eignet sich jedoch auf Grund der großen Hitzeentwicklung nicht für konventionell präparierte Stümpfe. Werden dünne Veneer-Provisorien eingeklebt, empfiehlt sich als Kleber Cyano-Veneer. Es handelt sich dabei um einen Sekundenkleber aus Cyanoethylmetacrylat. Der Kleberist transparent, hält sehr gut und hat die Eigenschaftnach dem Entfernen praktisch zu hundert Prozent am Provisorium haften zu bleiben.

Weder in der Literatur noch über direkte Anfragen war es möglich von namenhaften Implantologen eine Aussage darüber zu bekommen, wann der richtige Zeitpunkt für die Implantation nach der Extrusion ist. Die meisten befür-worteten eine Retentionsphase, die aber in Anbetracht der extrem gelockerten Zähne einen eher zweifelhaften

Abb. 20… wurden die Teilkronen apoximal-zervikal konvex konturiert

Abb. 19

Bei der Präparation der unteren Molaren und Prämolaren …

Abb. 21

Die Teilkronen aus Presskeramik wurden adhäsiv unter Kofferdam im UK eingegliedert

Effekt hätte. Die Entscheidung fiel somit zu Gunsten einer Sofortimplantation, die erst erfolgte, nachdem die beiden Zähne so locker waren, dass eine weitere Extrusion oder Retention keinen Sinn mehr hatte (Abb. 22 und 23). Die Implantation erfolgte deshalb unmittelbar nach der Extraktion der extrudierten Schneidezähne in die Restalveolen. Der vorhandene Knochen war von erstaunlich guter Qualität und Quantität, lediglich der bukkale Implantathals lag bei beiden um 1 bis 1,5 mm frei. Bei der Insertion wurden die Implantate labial mit Bohrspähnen augmentiert und mit Bio-Oss und Bio-Guide als Maßnahme gegen Resorption abgedeckt (Abb. 24). Unmittelbar nach der Implantation wurden die vorbereiteten Langzeitprovisorien eingegliedert (Abb. 25 und 26).

 

Abb. 22 Knochenniveau nach Extrusion

Abb. 23 Röntgenkontrolle der Implantate nach Insertion

Abb. 26

Langzeitprovisorium nach einer Einheilzeit von sechs Monaten

Abb. 24 Sofortimplantation nach Extraktion von 11 und 21 bei einer erstaunlich guten Knochenqualität

Abb. 25

Das Langzeitprovisorium wurde unmittelbar nach der Implantation eingegliedert

Die Einheilung verlief problemlos. Bei den beiden Frontzahnimplantaten wurde das Standardprotokoll mit sechsmonatiger Einheilzeit eingehalten. Die Freilegung erfolgte dann mit zwei Mini-Rolllappen. (Abb. 27 und 28).

Drei Wochen nach der Freilegung wurde der OK mit einem offenen Löffel abgeformt. Die verbliebenen eigenen Zähne erhielten adhäsiv eingesetzte Sinterkeramikkronen (Creation). Die Versorgung der Implantate im Seitenzahnbereich erfolgte mit vollkeramischen Kronen (Empress).

Bei den beiden Frontzahnimplantate ging es darum, eine möglichst optimale Ästhetik zu erreichen.

Dabei soll die Gingiva möglichst wenig belastet werden, wodurch eine weitere Rezession derbereits weit apikal liegende bukkale Gingivalgrenze vermieden wird. Die Zirkondioxidaufbautenwurden mit Feldspatkeramik in Zahnfarbe umbrannt. Da die Schraube labial lag, konnte die Palatinalfläche direkt aufgebrannt werden. Danachwurden im Labor die Aufbauten für zwei geschichtete Teilkronen präpariert (Abb. 29).

Abb. 29 Präparierte Aufbauten für die Teilkronen 
Abb. 30 Im Frontzahnbereich wurde ein Kofferdam gelegt … Abb. 31 … so konnten die Kermikaufbauten problemlos mit Flusssäure geätzt werden
Abb. 27 Die Implantate waren gut osseointegriert
Abb. 28 Die Freilegung erfolgte mit zwei Mini-Rolllappen

Das Vorgehen bringt mehrere Vorteile. Die Klebefuge liegt supragingival, der Kofferdam ist einfach zu legen, die Aufbauten können problemlos mit Flusssäure angeätzt werden (Abb. 30 und 31). Die Überschüsse können spielend einfach entfernt werden. Nur subgingival ist ein Rand beziehungsweisem Mikrospalt, die Aufbau-Implantatverbindung. Bei einer eventuellen Retraktion der Gingiva ist der Aufbau in der natürlichen Zahnhalsfarbe der Patientin völlig unauffällig. Durch die aufgebrannte Keramik erhält der Aufbau gleich das richtige Emergenz-Profil und die Palatinalfläche fühlt sich für die Patientin natürlich an (Abb. 32).

Die Schlusskontrolle der FMD PA-Behandlung zeigte ein Ergebnis, das weit besser war, als wir zu hoffen wagten. Ob dieses Ergebnis sich auf Dauer erhalten lässt, ist schwer vorherzusagen. Ob die Taschenreduktion durch ein langes Saumepitel oder ein neues Attachment hervorgerufen wird, ist kaum festzustellen.

Abbildung 33 zeigt die Aussgangssituation und in den Abbildungenen 34 bis 38 ist die fertig eingegliederte Restauration zu sehen. Die FMD hat sich wieder einmal als wertvolle Behandlungsmethode für fast hoffnungslos parodontalgeschädigte Zähne herausgestellt (Abb. 39 bis 41).

Abb. 32 Aufbauten (Palatinalfläche) mit bereits eingeklebten Teilkronen
Abb. 34 Die fertig eingegliederte Arbeit
Abb. 33 Hier die Ausgangssituation zum Vergleich
Abb. 39 und 40 Full Mouth Desinfection (FMD) nach Quirinen und Saxer
Abb. 37 und 38 … und von bukkal
Abb. 35 Endgültige Versorgung im OK … Abb. 36 … im UK …

 

Diskussion

Während der Planung und im Laufe der Behandlung sind drei, beziehungsweise vier Fragen aufgetaucht, die nicht ganz eindeutig beantwortet werden konnten. Auch gab es keine eindeutige wissenschaftliche Entscheidungshilfe. Erstens die Frage, ob im Unterkiefer die Extraktion und Implantate auf Dauer besser gewesen wären. Zweitens, hätte man die beiden extrudierten Zähne noch ein Vierteljahr retinieren sollen, um eine bessere Knochenmaturation zu erreichen? In beiden Fällen wurde nach Erfahrung und  Bauchgefühl entschieden. Das Ergebnis scheint zu bestätigen, dass das gewählte Vorgehen richtig war. Drittens stand die Frage im Raum, ob die Unterkieferfrontzähne auch überkront werden sollen, um somit eine bessere Frontzahnführung zu erhalten. Diese Frage kann zu diesem Zeitpunkt nicht eindeutig beantwortet werden. Obwohl man die UK-Front mit entsprechenden Teilkronen nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch hätte verbessern können, wurde die Entscheidung gefällt dies nicht zu tun. Die Tatsache,dass die Patientin keinerlei funktionelle Beschwerden oder Funktionsstörungen aufwies, war ein entscheidenderFaktor bei der Planung. Die Zeit wird zeigen, ob diese Therapiewahl richtig war. Eine Nachbesserung ist prinzipiell jederzeit möglich.

Die Abbildungen 42 bis 45 zeigen den Zustand nach einem Jahr. Rekonstruktionen mit einem solch hohem Aufwandgelingen nur selten zu 100 Prozent. Es gibt meistens etwas, dass man sich eine Spur besser vorgestellt hat. In diesem Fall könnte die gingivale Form der Kronen an den Frontzahnimplantaten mit einer ausgeprägteren Kurvatur nach distal etwas verbessert werden. Dennoch ist auch bei starkem Lachen die Gingivalgrenze nicht zu sehen.

 

Abb. 4 Die Oberlippe deckt den Gingivalrand auch beim herzhaften Lachen ab
Abb. 42 bis 45 Der Zustand 1 Jahr nach Freilegung der Implantate 11, 21

Sowohl der Zahntechniker als ich wollten die Kronen an 11, 21  wiederholen. Doch die Patientin entschied sich
dafür sie so zu belassen. Damit bestätigt sich wieder, dass Patienten oftmals schneller mit einem Ergebnis zufrieden sind, als Zahntechniker und Zahnärzte. Eine etwas bessere Platzierung der OK-Seitenzahnimplantate, insbesondere 14 und 24 weiter mesial, hätte eine wesentlich bessere anatomische Form der Kronen auf den Implantaten ermöglicht. Dies sind jedoch eher kleinere, für das Gesamtergebnis nicht ausschlaggebende Unstimmigkeiten. Insgesamt kann man das Ergebnis, unter Berücksichtigung der Ausgangssituation, als gut gelungen bezeichnen (Abb. 46 bis 49).

 

Korrespondenzadresse

Per Fossdal Füssenerstr. 25 , 87437  Kempten
per@fossdal.de

Über den Autor

Staatsexamen1968 in Bergen Norwegen (cand.odont); 1969 bis 1970 Sozialdienst als Zahnarzt in Nord-Norwegen 1970 bis 1973 Privatpraxis in Vorort beiOslo; 1971 bis 1972  Assistentbei Prof. Waerhaug, Uni Oslo (PA);  1973 bis 1976 Assistent bei Dr. Helmut Zedelmair, Schongau;
Seit 1976 in eigener Kassenpraxis in Kempten; Von 1983 bis 2013 im Vorstand des Zahnärztlichen Arbeitskreises Kempten e.V davon 19 Jahre als Geschäftsführer.; Seit 1989 zahlreiche Kurse und Vorträge als Referent über Vollkeramik und Funktion in In- und Ausland;
Von 1992 bis 2002 Privatgutachter der BLZK; Seit 1999 Vorstandsmitglied der European Dental Association; 1999 Spezialist für Prothetik (DGZPW); 1999 Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie (BDIZ); 2002 Spezialist für rekonstruktive Zahnmedizin, Ästhetik und Funktion der European Dental Association (EDA); Seit April 2007 Vizepräsident der EDA, Seit 2008 Spezialist für Implantologie der EDA,

Literatur

[1] Barry Kyle Bartee/James Carr, PhD: Evaluation of a High-Density Polytetrafluorethylene
(n-PFTE) Membrane as a Barrier Material to Facilitate Guided Bone Regeneration in the Rat Mandible (Journal of Oral Implantology, Vol. 21, No. 2, 1995)
[2] Barry Kyle Bartee DDS: The Use of High-Density Polytetrafluorethylene Membrane to Treat Osseous Defects: Clinical Reports (Implant Dentistry, Volume 4, Number 1 1995)
[3] Isabel Deckwer, Dr. med. dent, Wilfried Engelke, PD. Dr. med., Dr. med dent. Verwendung von Membrantechniken zur Deckung von Mund-Antrum-Verrbindungen als präprothetisch vestibulumerhaltende und parodontalprophylaktische Maßnahme

 

Abb. 46 bis 49 Ein gut gelungenes Ergebnis